L3So finden Sie uns:

 

 

Mühlenstrasse 16 • Mühlenstrasse 16 • 21723 Hollern-Twielenfleth • Tel: 04141 / 76818
53°36'03.6"N   9°33'22.0"E

Öffnungszeiten: Mo – Fr von 14:00 – 18:00

Besichtigungen sind während dieser Zeit möglich.
Betreut werden diese Führungen von unserem stellv. Vorsitzenden Rolf Dammann.

Nach der Führung sind wir für eine Spende in unsere Spendenbox dankbar.

 

Luftaufnahmen: Luftbilder LK Stade | weitere Aufnahmen: ausdenker.net 

 

 


 

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Flügelsignale bei Windmühlen

In Norddeutschland und den Niederlanden dienten die weithin sichtbaren Flügel der Windmühlen früher einer einfachen, aber praktischen Form der Nachrichtenübermittlung. So konnte der Müller stets über den Arbeitsstand auf der Mühle informieren.

  • Die Freudenschere
  • Die Pausenschere
  • Die Feierabendschere
  • Die Trauerschere
  • Die Grosse-Feier-Schere

 

Freude

Für die Signalübermittlung war es von Bedeutung, ob die Mühlenflügel mit Tuch bespannt waren oder nicht. Flügelsignale waren immer eine regional kodierte Form der Nachrichtenübermittlung. In den unterschiedlichen Ländern und Regionen wichen die einzelnen Signalvereinbarungen und Flügelzeichen stark voneinander ab.
Besteht ein Grund zur Freude (Geburtstag, Hochzeit etc.), dann verkündet der Müller dieses durch eine Flügelstellung, bei der der obere Flügel kurz vor Erreichen des höchsten Punktes gestoppt wird („Kommende“).
In Friesland bedeutete dieses Flügelzeichen hingegen einen Trauerfall auf der Mühle.

 

Pause

Die Windmühlenflügel wurden ohne Segel in die Schere gestellt (45°-Winkel - sog. Andreas Kreuz), wenn die Mühle kurzfristig außer Betrieb war.
Darüber hinaus hatte die Flügelstellung bei einem heraufziehenden Gewitter den praktischen Zweck, die Gefahr von Blitzeinschlägen zu minimieren. Waren die Segel in der 45°-Schere bespannt, drohte Feuergefahr.

 

Feierabend

In senkrechte Stellung gebracht, bedeutet das Flügelkreuz bei unbespannten Segeln eine lange Arbeitspause, etwa infolge von Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten der Mühle, oder auch das Ende der Tagesarbeit.
Waren die Segel in der senkrechten Stellung hingegen mit Tuch bespannt, signalisierte der Müller fehlendes Mahlgut, ein potentieller Kunde konnte also sofort bedient werden.

 

Trauer

Wie heute noch Fahnen bei traurigen Anlässen auf Halbmast gezogen werden, so hatte die Windmühle bei einem Trauerfall eine eigene Flügelstellung: die Trauerschere. Der weggehende Flügel wird kurz nach dem niedrigsten Punkt gestoppt. Hierin kommt die Trauer, das Weggehende und Vergängliche zum Ausdruck. Man beachte dabei, dass die Mühle gegen den Uhrzeigersinn dreht.
Fehlte auf den Mühlenflügeln das Segel, signalisierte der Müller, dass kein Getreide angeliefert werden durfte, weil die Mühlsteine geschärft wurden.

 

Große Festlichkeit

Zu hochoffiziellen Anlässen oder großen Festen (Geburt, Hochzeit, etc.) wird die Mühle festlich geschmückt.
Der Müller machte früher auch noch von anderen Flügelstellungen Gebrauch, beispielsweise um dem Mühlenwart anzuzeigen, dass eine Reparatur ausgeführt werden musste. Selbstverständlich konnten die Müller, mit weiteren vorher vereinbarten Segelstellungen, auch geheime Nachrichten austauschen. Dies wurde im II. Weltkrieg häufig praktiziert. Die Mühle wurde zum Super-Signalmast.

 

 

Wie jede alte Zunft hatten auch die Müller besondere Sitten und Gebräuche:

„Eine sehr alte Sitte wurde noch bis nach 1850 in den Mühlen geübt,wenn der Müllermeister gestorben war.“ schrieb 1962 Peter Wiepert aus Bisdorf auf Fehmarn. „Dann rief der Hauptgeselle nachts beim Mahlen in den Hauptmahlgang hinein und die dabei stehenden anderen Gesellen und Lehrjungen nahmen ihre Mützen ab: ‘Un ik wull man Bescheed seggn, dat Din Meister in die
Ewigkeit weiht ist!’ Alle Anwesenden sagten: ‘Help em Gott!’ und gingen dann an ihre Arbeit. Bis zum Sonnenaufgang durfte nicht gesprochen werden.“

Wiepert, „Die Segelwindmühle in Lemkenhafen“, Fehmarn, 1962

 

Ein Müller war immer auch Landwirt bzw. Fischer. Das Mahlen reichte nicht aus, um eine mehrköpfige Familie zu ernähren. Multitasking war gefragt. Kühe zu halten, konnte sich der Müller nicht leisten, aber Hühner, Kaninchen, Gänse , Schafe oder Schweine waren nicht nur auf dem eigenen Speiseplan willkommen, sondern sorgten für zusätzliche Einkünfte auf dem Wochenmarkt.